Zweibruecker.Info - Der Buchdruck

 Zweibrücken in der Geschichte des Druckes

 

Die "Schwarze Kunst"



weibrücken gehört zu einer der 64 Städten in Deutschland,
in der noch vor dem Jahre 1500 die so genannten "Inkunabeln"
angefertigt wurden. 1488 wurde urkundlich der wohl erste
Buchdrucker in Zweibrücken, Jörg Gessler, erwähnt.


"Wer die Gegenwart recht
verstehen will, dem darf
die Vergangenheit nicht
unbekannt
sein, denn die
Kenntnis der geschicht-
lichen Entwicklung
schärft
den Blick für die
Erscheinungen der Zeit."

Zitat aus dem Buch mit dem
Titel:"Handbuch für Schriftsetzer"
Autor: Friedrich Bauer
Verlag von Klimsch & Co.
in Frankfurt am Main.
Ausgabe 1926

Illustration einer Druckerei 1640-1680



Die Bilder wurden größtenteils fotografiert in der Druckerei
"Merkur Druck Werle GmbH" Zweibrücken, dem Heimatmuseum
Zweibrücken, der Bibliotheca Bipontina Zweibrücken, dem
Museum für Druckkunst Leipzig und dem Druckereimuseum Weiss
Monschau.


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Exemplare der Zweibrücker Buchdruckkunst
aus der öffentlich-wissenschaftlichen Bibliothek "Bibliotheca Bipontina"


Gazette aus der herzogl. Druckerei 1780Buch mit Kupferstich, Zweibrücken, 1674Naturkundebuch 1785

Immer wieder vor der Zerstörung bewahrt, einige Exemplare der
Zweibrücker Buchdruckkunst: Das erste Foto zeigt das Journal "GAZETTE"
aus der herzoglichen Druckerei in Zweibrücken vom Jahre 1780.
Das zweite Exemplar zeigt einen Kupferstich zu einer Leichenpredigt von
Quantz (Carl Casimir) aus dem Jahre 1674. Auf dem dritten Foto:
Das Naturkundebuch "Histoire Naturelle". Der abgebildete Kupferstich
wurde vom Zweibrücker Hofmaler Johann Christian Mannlich entworfen.
Es stammt aus dem Jahre 1785 und ist eines von insgesamt 46 Bänden.

Diese Bücher befinden sich im Bestand der Bibliotheca Bipontina in
Zweibrücken, die eine erstaunliche Geschichte besitzt:
Sie reicht bis in die Reformation zurück. Eine Bibliothek deren Wurzeln
durch Säkularisierte Klöster im Herzogtum Zweibrücken gebildet wurden.
Im Dreißigjährigen Krieg und die Kriege Ludwigs XIV wurde nahezu die
gesamte Sammlung zerstört. Dennoch wurde sie von den Zweibrücker
Herzögen wieder aufgebaut und durch Christian IV, der Mitte des 18 Jh.
die Bibliothek des des Pfalzgrafen Karl von Birkenfeld erbte, erweitert.
Durch eine Auslagerung des wertvollen Altbestandes im zweiten Weltkrieg
gelang es, den Kern der Bibliothek noch vor einer vollständigen
Zerstörung zu retten.


Heute ist die Bibliotheca Bipontina eine öffentlich-wissenschaftliche
Bibliothek, die von jedermann genutzt werden kann.
Sie befindet sich im Gymnasium, neben dem Zweibrücker Schloß:
Bleicherstraße 3, 66482 Zweibrücken.




Kniehebel-Druckerpresse "Zweibrücken Presse"

Zweibrücker DruckerpresseZweibrücker DruckerpresseManufaktur-Schild an der Zweibrücker Druckerpresse

Als erster in Deutschland baute Christian Dingler im Jahre 1830 die in
England und USA erfundenen Stanhope- und Hagar-Druckerpressen nach.
Durch die verbesserte Konstruktion wurde die "Dingler Presse" schnell
überregional bekannt. Die verbesserte Kraftübertragung des Kniehebel-
prinzips gestattete die Verwendung ganzer Druckplatten die dem Format
der Druckform entsprachen. Da nun damit auch etwa 200 Drucke pro
Stunde zu bewältigen waren, gehörte der Druck mit
"zwei Bengelzügen" der Vergangenheit an.




Handpressen für den Hochdruck
und Spindelpresse für Buchbinder

DruckerpresseDetail einer DruckerpresseBuchbinderpresse

Im Zeitraum von ca. 350 Jahren haben sich die Buchdruckerpressen aus
Holz kaum verändert. Erstes Foto zeigt eine hölzerne Buchdruckerpresse.
Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die hölzernen Pressen durch
Eisenpressen verdrängt. Diese wurden gerne reich verziert wie man auf
dem zweiten Foto, bei einer Columbian Press der Firma Harrild
(London, 1886) erkennen kann.  Auf dem dritten Bild, eine Buchbinder-
Spindelpresse, gebaut von der der Firma Karl Krause in Leipzig.
Leipzig über hundert Jahre das Zentrum für die Herstellung von
Buchbindereimaschinen.



Tiegeldruckpressen

Hand-TigeldruckpresseAb etwa 1830 sind in den USA Tiegeldruckpressen
entstanden. Diese Druckerpressen zeichneten sich durch
ihre kompakte und einfach zu handhabende Bauform aus.
Obwohl, technisch gesehen, das Prinzip Fläche gegen
Fläche, ein Rückschritt war (gemessen an den Zylinder-
maschinen), ließen sich mit
ihr schnell und preiswert
Akzidenzen (Familien- und Geschäfts-Drucksachen)
herstellen.
So hat sich der Tiegel rasch verbreitet und
war praktisch in jeder Druckerei zu finden.

Die gebräuchlichste Tiegeldruckmaschine war der "Heidelberger-Tiegel-
druckautomat", sie arbeitete nach dem Kniehebelprinzip und
transportierte das Papier mit rotierenden Greifern,
wie auf dem nächsten Foto zu sehen ist.


Greifer an der Heidelberger TiegelHeidelberger TiegelDruckfunderment an der Tiegeldruckpresse


1. Rotierende Greifer; 2. Heidelberger Tiegel; 3. Druckfundament

Diese Druckerpressen haben ein stehendes Druckfundament für die
Druckform. In dem Bild rechts oben kann man darin den Schließrahmen
und die mit Schließzeugen befestigte, fertige Kolumne sehen.
Der Gegendruck auf diese Druckform wird durch eine auf- und
zugehende Platte, "Tiegel" genannt, erzeugt.

Farbwalzen färben bei geöffneter Presse den DruckstockAusgebundene Kolumne im SchließrahmenLiberty Tiegel

Wie bei obigem Foto zu erkennen ist, wird bei offener Presse die Druck-
form mit Gummiwalzen eingefärbt. Anschließend wird in der geschlossenen
Presse das Papier gegen die Druckform gedrückt. Im mittleren Bild oben,
eine ausgebundene Kolumne und zwei Schließzeuge im Schließrahmen.
Rechts oben eine historische Liberty-Tiegel-Presse von F.M.Weiler,
New York, gebaut ca. 1888. Die auffällige Scheibe in dem Foto dient zum
verteilen der Druckfarbe und dem einfärben der Gummiwalzen.



Bleilettern und Werkzeuge für den Handsatz

Mustersatz Bleilettern
Schätzungsweise wurden in der Vergangenheit weltweit
40.000 verschiedene typographische Schriften gegossen.
Eine unglaubliche Vielfalt. Auf der linken Abbildung, sehen
Sie den Mustersatz einer Schriftgießerei. Diese Typen
wurden, falls es sich um eine Type für den Druck von
Schriftzeichen handelte, schlicht Buchstaben genannt.
In der ersten Zeit der Buchdruckerkunst wurden die
Schriften in einer mit der Druckerei verbundenen Schrift-
gießerei hergestellt. Später ist daraus ein eigenes Gewerbe
entstanden. Jede Schriftgießerei war bestrebt, stets gute Brotschriften
(Schrift für den ständigen Gebrauch z.B. für Zeitungen) oder Buch-
schriften zu haben.

Kupfermatern und StempelAusgebundener SchriftsatzWinkelhaken, Ahle und Setzschiff

Zur Herstellung wurden zuerst Stempel aus Stahl angefertigt.
Das Buchstabenbild wurde mit feinen Feilen und Sticheln heraus-
gearbeitet. Anschließend wurde damit ein Abdruck des Stempels in ein
Kupferstück geschlagen, die Matrize genannt wurde.
Sie diente als Gussform für den Buchstaben. Später wurden die Matrizen
durch galvanisch hergestellte Matern abgelöst.

Nummerierwerke und AhlenHandsatz

Das Schriftsetzen: Nachdem der Setzer einen Satzteil vom Manuskript
gelesen hatte, holte er sich die Buchstaben aus dem Setzkasten und
setzte zunächst mehrere Zeilen in einen Winkelhaken. Damit sich später
beim Druck kein Buchstabe löste, musste jede Zeile bündig abschließen.
Hierzu wurde Füllmaterial wie Regletten oder feine "Bleiplättchen",
Ausschluß genannt, verwendet.
Erst dann wurden die frisch gesetzten Zeilen in das Setzschiff gehoben.



Der Maschinensatz

SetzmaschineSetzmaschine

Die damals schwierigste Aufgabe war die Entwicklung
einer Setzmaschine. Es gab zwei Arten von
Setzmaschinen: Die Zeilen- und die Einzelbuchstaben-
Setzmaschine. Bei der Zeilen-Setzmaschine wurden immer ganze Zeilen
ausgegossen. Die oben ab
gebildete Linotype war das bekannteste
Fabrikat und wurde im Jahre 1886 von Ottmar Mergenthaler erfunden.
Andere Hersteller sind diesem Prinzip gefolgt.




Das Zweibrücker Notgeld

Notgeld aus Zweibrücken


In Zweibrücken wurde auch Notgeld gedruckt.
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