Zweibruecker.Info - Interessante Themen

Infoarchiv. Artikel I/2006

 
 

Infoarchiv
I/2006


Ein Pfälzer aus Zweibrücken auf dem bayerischen Thron:

König Max von Bayern, der erste „Kini"
2006 wird die Gründung des Königreichs Bayern
vor 200 Jahren gefeiert


Der erste König von Bayern Joseph Maximilian I. wurde 1806 inthronisiert
als Kurfürst Joseph Maximilian IV. von Pfalz-Bayern und als Herzog von
Pfalz-Zweibrücken, geboren am 27.5. 1756 in Mannheim, verstorben am
12.10. 1825 in Nymphenburg bei München. Der Sohn des Pfalzgrafen
Friedrich Michael von der Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1724-1767) und
Maria Franziska Dorothea Pfalzgräfin von der Pfalz-Sulzbach (1724-1794),
war zugleich der letzte Zweibrücker Herzog.

Joseph Maximilian wurde von französischen Erziehern im Sinne der Auf-
klärung und nach Rousseaus Theorie des allgemeinen Willens erzogen,
die dazu anhielt, der feudalistischen Königs- und Adelsherrschaft die
Legitimationsgrundlage zu entziehen. Ihm wurden manche kulturellen
Einflüsse vorenthalten, gemäß Rousseaus pädagogischen Vorstellungen,
dass die ursprüngliche Natur eines Kindes zur Entfaltung gebracht werden
sollte. Maximilian machte die fehlende fürstliche Erziehung später wett
durch seinen politischen Instinkt, seinen Realitätssinn und seine Schläue
.

In seiner Jugend lebte der Wittelsbacher aus der Linie Pfalz-Zweibrücken-
Birkenfeld ohne Aussicht auf eine große politische Karriere in Straßburg,
wo er im französischen Regiment Royal Alsace diente und Stadt-
kommandant wurde. Maximilian erbte 1778 die Grafschaft
Rappoltstein im
Elsaß. Als sein Bruder Karl II. August, Herzog von Pfalz-Zweibrücken,
1795 überraschend verstarb, erlangte Maximilian die Herrschaft im
Herzogtum Zweibrücken und zugleich die Anwartschaft auf das Erbe des
kinderlosen Kurfürsten Karl Theodor von Bayern.


Aus der 1785 geschlossenen Ehe von Herzog Joseph Maximilian mit
Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt (1765-1796) gingen
die Söhne Ludwig und Karl sowie drei Töchter hervor. Aus der zweiten
Ehe (1797) mit Caroline Friederike Wilhelmine von Baden (1776-1841)
stammten zwei Söhne und sechs Töchter. Caroline Friederike Wilhelmine
wurde die erste Königin von Bayern.


Ein Herzog ohne Land ...

Als Joseph Maximilian das Herzogtum Zweibrücken übernahm, war die Pfalz
bereits von französischen Revolutionstruppen besetzt. Maximilian lebte mit
seiner Familie im Exil in Mannheim und Ansbach. Da der 1799 verstorbene
Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Bayern keine legitimen Erben hatte, erhielt
Pfalzgraf Maximilian die Anwartschaft auf diesen großen Länderkomplex.
Als Kurfürst von Pfalz-Bayern wurde er damit auch Regent des Fürsten-
tums Jülich-Berg am Niederrhein, wozu Düsseldorf als Residenz gehörte.


Durch seine Erziehung, die Erlebnisse der Revolutionszeit in Frankreich
und in den linksrheinischen Gebieten, war Maximilian gesellschaftlichen und
politischen Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Er konnte sich mit
allen Bevölkerungsschichten verständigen. Dies unterschied ihn von seinem
Vorgänger Kurfürst Karl Theodor. Er hörte auf seine mit Menschenkenntnis
ausgesuchten Minister, was seiner Wirkung als Integrationsfigur in Bayern
förderlich war. Die Durchführung der Säkularisation 1802/03, der
Beschneidung der Vorrechte der Kirche, wurde von ihm als Kurfürst ebenso
unterstützt wie die Reformierung der Vorrechte des Adels.

... wird König von Bayern

Am Neujahrstag des Jahres 1806 verkündete der Reichsherold in den
Straßen Münchens, dass Kurfürst Maximilian IV. Joseph den Titel
„König von Bayern“ angenommen hatte. Er hieß von da an König
Maximilian I. Joseph. Glockengeläute, Paraden und Illuminationen
gaben dem Staatsakt ein feierliches Gepränge, und in den bayerischen
Landen wurde bald sichtbar, dass eine neue Ära begonnen hatte.
Als persönliches Opfer musste König Max I. Napoleon entgegen kommen
und der Heirat seiner Tochter Auguste mit dem Stiefsohn des
französischen Kaisers, Eugene de Beauharnais, zustimmen.
Diese Vernunftheirat führte später doch noch zu einer Liebesehe.


Schon als bayerischer Kurfürst hatte Maximilian die Sympathien seiner
Untertanen errungen. Als König wurde er ein populärer Herrscher.
Er war ein Meister in der Kunst des Überlebens, der mehrfach aus
seiner Residenz fliehen musste, ein erfolgreicher Taktierer, der in den
damaligen politischen Wirren der Auflösung des Deutschen Kaiserreichs
und der napoleonischen Kriege stets den richtigen Zeitpunkt fand,
das politische Lager zu wechseln.

König Max I. - Begründer eines modernen Staates

Sein Anschluss an den Rheinbund, der auf Betreiben Napoleons
zustande gekommen war, wurde 1806 mit der Königswürde sowie
umfangreichen Ländereien in Franken und Schwaben belohnt.
Durch seinen späteren Übertritt zu den Alliierten 1813
(gegen Napoleon) gelang es ihm, die territorialen Zugewinne
weitgehend zu bewahren. Verwaltungsreformen und der Erlass
einer Verfassung 1818 als Grundlage der konstitutionellen Monarchie
führten zum Aufbau eines modernen bayerischen Staates.


In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. gab König Max einen
Generalplan zur Erweiterung Münchens in Auftrag und ließ über die
Architekten Karl v. Fischer und Ludwig v. Sckell das Stadtbild
verändern. Neue Gebäude und Gärten entstanden. 1818 wurde das
2500 Plätze fassende Nationaltheater geschaffen, und nach dem
Englischen Garten wurden auch der Hofgarten, der alte Botanische
Garten, Gemäldesammlungen und Bibliotheken der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht.

Urenkel Ludwig II. erbaut Neuschwanstein

Aus dem volkstümlichen Fest 1810 anlässlich der Hochzeit seines Sohnes
und Kronprinzen Ludwig mit Therese von Sachsen-Hildburghausen
entwickelte sich, verbunden mit einer Landwirtschaftsausstellung, das
„Oktoberfest“.
- Einer der Urenkel von König Max war König Ludwig II. (Märchenkönig),
der Schloss Neuschwanstein errichten ließ.

Der erste bayerische König war ein bürgernaher Herrscher, ohne Pathos
und ohne große Allüren. Ein Zeitgenosse, der ihn auf dem Wiener
Kongress kennen lernte, urteilte: "Der König von Bayern sieht aus wie
ein grober, verdrießlicher bayerischer Fuhrmann, hat aber dabei den
Anstrich von Biederkeit und Rechtlichkeit. Er ist der bürgerlichste
König."

Seit 1815 gehörte Zweibrücken ebenso wie die gesamte linksrheinische
Pfalz zum Königreich Bayern. Max I. Joseph, der am 12. Oktober 1825 in
Schloss Nymphenburg starb, hatte auf Drängen der pfälzischen Be-
völkerung das Fortbestehen des napoleonischen „Code Civil“ garantiert.
In den Folgejahrzehnten verursachte dies immer wieder politischen Streit,
wenn die bayerische Regierung versuchte, die pfälzischen Freiheiten,
die unter französischer Verwaltung eingeführt worden waren,
zu beschränken.

Von „König Max“, wie er bis heute respektvoll genannt wird, steht hinter
dem Zweibrücker Schloss ein Denkmal mit Büste. Auch die Maxstraße
Denkmal mit Büste von "König Max"
erinnert an ihn, denn die Pfalz und Zweibrücken
gehörten bis 1918 zum Königreich Bayern und
zählten bis 1945 als bayerischer Verwaltungs-
bezirk. Und auch der über Zweibrücken weithin
bekannte Rosengarten hat mit dem bayerischen
Königshaus zu tun:
Er wurde 1914 von Prinzessin Hildegard
von Bayern eröffnet. (H.H.)





Autor des Artikels über König Max I.:
Der aus Zweibrücken stammende Journalist
Helmuth Haensch,
der in Düsseldorf lebt und heimatverbunden geblieben ist.

Er hat diesen interessanten Artikel für "
ZWEIBRUECKER.INFO" zur
Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!












Zurück zur Hauptseite

 


© 2005-2009 Gerd Sutter, Bonn, Artikel: 2006 Helmuth Haensch, Düsseldorf

Fotogalerie